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Warum die Akte RAF nicht geschlossen werden kann

Saturday, March 24th, 2007

ZDF-Programmhinweis: Sonntag, 25. März 2007, 23.40 Uhr
Gnade ohne Wahrheit? Warum die Akte RAF nicht geschlossen werden kann
- Film von Wolfgang Herles

Sonntag, 25. März 2007, 23.40 Uhr ZDF-History Gnade ohne Wahrheit? Warum die Akte RAF nicht geschlossen werden kann Film von Wolfgang Herles Die bevorstehende Freilassung der Terroristin Brigitte Mohnhaupt und das Begnadigungsgesuch von Christian Klar haben 30 Jahre nach dem blutigen “deutschen Herbst” eine Diskussion über den Umgang mit der Terrororganisation RAF ausgelöst. Politik und Gesellschaft sind gespalten. Eine ZDF-Dokumentation von Wolfgang Herles zeichnet die Geschichte der RAF nach und fragt: “Ist es an der Zeit, das Kapitel des Linksterrorismus in Deutschland zu schließen? Ist die Zeit reif für einen Schlussstrich?

“Einen Schlussstrich kann man nicht ziehen, weil viele Fakten einfach noch nicht offen liegen. Die Ermittlungsergebnisse im Bezug auf alle Taten der RAF nach 1985 sind gleich Null. Man weiß überhaupt nicht, wer überhaupt Mitglied der RAF damals war. Man weiß nicht, wer verantwortlich für die Taten war. Und das finde ich, als Angehöriger, doch sehr unbefriedigend”, sagt Patrick von Braunmühl, Sohn des 1986 von der RAF ermordeten Mitarbeiters des Auswärtigen Amtes, Gerold von Braunmühl.

Während die Angehörigen der RAF-Opfer nun befürchten, durch die Freilassung der Gefangenen würden die Verbrechen niemals aufgeklärt, stellt sich für Claus Peymann, Intendant des Berliner Ensembles, der sich damals selbst zu den Sympathisanten der linken Terrorszene rechnete, noch eine ganz andere Frage: “Das ist eine sehr aufregende, tragische Geschichte über vertane Träume, über vertane Chancen. Diese Sache ist nicht ausgestanden. So wie der Faschismus nicht ausgestanden ist. Es ist auch der Sozialismus nicht ausgestanden. Die DDR ist auch nicht ausgestanden. Die ist nur in die Ecke gepackt. Das ist so ein bisschen die deutsche Strategie, nicht?”

In seinem filmischen Essay geht Herles folgenden Fragen nach: Ist die Geschichte der RAF abgeschlossen, solange die Verbrechen der Dritten Generation an Zimmermann, Bekurts, von Braunmühl, Herrhausen und Rohwedder nicht aufgeklärt sind? Ist in diesem Zusammenhang der Anspruch aller Opferfamilien legitim, über den Hergang der Taten mehr zu erfahren, und sind die Täter, auch wenn sie ihre Strafe verbüßt haben, dazu moralisch verpflichtet? Wie weit ging der Rückhalt in der Bevölkerung, den der “Krieg der sechs gegen sechzig Millionen” erfuhr? Wie ist die Rolle des Staates zu bewerten? War die gegenseitige “Hysterisierung” von Staat und außerparlamentarischer Linken eine wichtige Ursache der Eskalation?

Der ehemalige Bundesinnenminister Gerhard Baum glaubt: “Die Republik war nicht eine Sekunde gefährdet. Unser freiheitliches System ist doch nicht durch 40 Desperados zu gefährden. Gefährdet war das schon eher durch die Reaktion des Staates, weil er Freiheitsrechte zur Disposition gestellt hat. Und er wurde dann teilweise so hässlich, wie ihn die Terroristen haben wollten.”

Auch Patrick von Braunmühl sieht staatliche Versäumnisse beim Umgang mit der RAF: “Aus heutiger Sicht glaube ich schon, dass damals Fehler passiert sind. Dass man vielleicht die RAF sogar zu ernst genommen hat. Natürlich war sie eine erhebliche Bedrohung, und sie war gut organisiert, aber die Art und Weise, wie man ihr Gedankengut, ihre Argumente tabuisiert hat, die Art und Weise, wie man mit den Terroristen umgegangen ist von Prozessen zu Haftbedingungen usw. Ich glaube, damit hat man doch eher zur Eskalation beigetragen. Hat auch der RAF Argumente in die Hand gegeben, sich ein Sympathisantenumfeld zu schaffen und zu rekrutieren.”

ZDF-Autor Wolfgang Herles begnügt sich nicht mit einer chronologischen Auflistung der wichtigsten Ereignisse, sondern bietet darüber hinaus eine Bewertung des Geschehens an, in der Zeitzeugen die verschiedenen Blickwinkel präsentieren.

Ex-Terroristin Brigitte Mohnhaupt will nicht ins Fernsehen

Sunday, February 25th, 2007

Der Tagesspiegel: Rund 100 Interviewanfragen an Ex-Terroristin Brigitte Mohnhaupt -Anwalt Franz Schwinghammer: Mohnhaupt will nicht ins Fernsehen

Am 27. März 2007 kann die frühere RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt nach Verbüßung der Mindesthaftzeit von 24 Jahren auf Bewährung freikommen. Schon jetzt gibt es ein Wettrennen der Printmedien und Fernsehsender um das erste Interview mit Mohnhaupt.

Ihr Anwalt Franz Schwinghammer sagte dem Tagesspiegel (Ausgabe vom 27. Februar 2007): “Bei mir stapeln sich um die 100 Anfragen von Medien aus dem In- und Ausland.” Ob sich Mohnhaupt nach der Entlassung aus der Haftanstalt im schwäbischen Aichach öffentlich äußern wird, ist derzeit fraglich. “Frau Mohnhaupt will anonym bleiben”, sagte Anwalt Schwinghammer. “Denn sie kommt bestimmt nicht aus dem Knast, um der Welt sofort etwas zu verkünden.” Nach 24 Jahren Haft müsse seine Mandantin zunächst einmal lernen, die Umwelt wieder zu begreifen. Vor allem müsse ihre Sicherheit garantiert werden, denn neben den Interview-Anfragen seien Morddrohungen gegen die Ex-Terroristin eingegangen, sagte ihr Anwalt.

Dennoch will Schwinghammer ein öffentliches Statement von Mohnhaupt nicht ausschließen. “Sie ist sich bewusst, dass sie in der Verantwortung für die damalige Zeit steht.” Bislang gebe es jedoch noch keine genauen Überlegungen, wie und wann sie sich äußern werde. “Aber wenn, dann sich nicht im Fernsehen. Es muss ein Medium sein, das über den Tag hinausgeht”, sagte Schwinghammer dem Tagesspiegel.

Respekt den Opfern der RAF

Tuesday, February 20th, 2007

Rheinische Post: Respekt den Opfern
Von Reinhold Michels

Was immer als geeignet erscheint, die Erinnerung an die vielen
Opfer der RAF-Terroristen wach zu halten, sollte von Staats wegen
erwogen werden. Vor allem müsste den Jüngeren, welche die politisch
primitiv begründeten Verbrechen zwischen den frühen siebziger und
neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts nicht erlebt haben,
signalisiert werden: Vorsicht vor ideologischen Extremisten. Erst
hassen sie, dann hetzen sie, dann gehen sie über Leichen, und zwar -
siehe RAF – unterschiedslos, ob ihre Opfer prominent sind oder nicht.
Wie wäre es außerdem, wenn Bundespräsident Horst Köhler, der unter
verständlichem Kopfschütteln eines Großteils der Deutschen die
Begnadigung des damals besonders mordbereiten RAF-Täters Christian
Klar prüfen lässt, eine große Berliner Rede zu Ehren derer hielte,
deren Leben Mohnhaupt, Klar, Haule und Komplizen vor 30 Jahren keinen
Pfifferling wert waren?

Auch wenn alle drei genannten Häftlinge bald frei sein sollten,
müsste die Devise heißen: Respekt vor RAF-Opfern nebst Angehörigen,
Vorsicht vor Sendungen, die mit Mohnhaupt, Klar und Haule Quote
machen wollen, eine letzte Chance dem früheren Trio Infernal, sollte
es endlich echte Reue zeigen.