Kinderbetreuung – Single-Experte Bischof Mixa

LVZ – Leipziger Volkszeitung zur Kinderbetreuung:

Es reicht! Der Single-Experte Bischof Mixa, die
kinderlose Frau Merkel, Super-Mutti von der Leyen und wie die vielen
anderen Experten in Sachen Familie tätigen Deutschen alle heißen
mögen, haben genug salbadert, gefordert und gewartet. Wer ohne
ideologische Verblendung ist, der kennt sich längst aus in der
deutschen Erziehungswelt: Trotz Milliarden Transfer-Euros ist die
praktische Erfahrung noch immer eine, die das Ja zum Kind in
Deutschland schwerer macht als in allen anderen Nachbarstaaten. Ein
Erzkatholik wie Mixa soll es mit seinem Herrn ausmachen, dass er mit
diabolischem Vergnügen von der Frau als “Gebärmaschine” spricht. Wie
wäre es eigentlich, wenn die gleichen familiär so besorgten
Würdenträger die Fälle von Kindesmissbrauch in einschlägigen Kreisen
ähnlich eifrig attackierten?

Die Bundesfamilienministerin, und nicht nur die, hat das große
Ganze im Auge zu behalten. Deshalb sind ihre Vorstöße aus der
jüngsten Zeit weitaus bedeutsamer als die ärgerlichen Worte der Mixas
dieser Welt. Elterngeld, Krippenplätze, um Eltern die wirkliche
Wahlmöglichkeit bei der Erziehung einzuräumen, Familien- statt
Ehegatten-Splitting bei den Steuern – das sind sinnvolle Etappen hin
zu einem Werte- und Bewusstseinswandel. Taten statt Worte. Nur noch
dieser Weg führt aus der Single-Gesellschaft heraus. Frau von der
Leyen hat – jenseits allen Parteidenkens – schon jetzt mehr praktisch
bewirkt als viele Familien-Rhetoriker der letzten Jahre zusammen.

In der Krippenfrage steht sie jedoch am Scheideweg. Wer den Bedarf
nennt, aber nur nebulöse Finanz-Aussagen dazu macht, läuft Gefahr,
als bloßer Lautsprecher zu wirken. Die Wahrheit ist konkret. Drei
Milliarden Euro jährlich müssen aufgebracht werden. Man kann mit
vielen guten Argumenten den Weg der SPD als sub-optimal
bezeichnen:Wenn mehr Krippenplätze dadurch finanziert werden, dass
allen Familien für einige Jahre die Kindergeld-Erhöhung gestrichen
wird, dann sieht das nach reiner Mangel-Verwaltung aus. Das Ganze
wirkt auch nicht sehr sozial. Doch dem Koalitionspartner deshalb eine
unsoziale Politik vorzuwerfen, wie es Frau von der Leyen macht, kommt
einer gehobenen Form der Ablenkungspolitik gleich: Ihre Union bringt
es weder auf einen Finanzierungsvorschlag noch steht man einhellig
hinter ihrer Familien-Leitkultur. Dazu wäre unter anderem auch
politisch erkennbare Führung notwendig. Leider zählt das nicht zu den
Stärken des Teams um Angela Merkel.

Die Kanzlerin beklagt zu Recht, dass etwas nicht stimmen könne,
wenn spielende Kinder als Lärm-Emission begriffen würden. Das zu
sagen kostet aber auch nichts. Schluss mit dem Herummogeln. Wenn auch
die Kanzlerin für mehr Krippenplätze eintritt, wenn sie wirklich den
Mut aufbringen will, Familien steuerlich besser zu stellen als bloße
Ehepaare, wenn es um die große Kehrtwende im Bewusstsein geht, dann
sollte es rasch einen Familien-Gipfel auf Einladung von Angela Merkel
geben. Das Thema muss Chefinnensache werden. Nicht um Mixa und Co. in
die Schranken zu weisen, sondern um Fakten zu schaffen.

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